Review Staffel 2 Folge 12 – The hail mary

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Letzte Bemühungen, letzte Worte und sterbende Erklärungen. Während Jamie verzweifelt die Katastrophe von Culloden zu vermeiden versucht, spielen sich, neben dem Krieg, weitere kleinere Dramen ab. Es wird mehr als ein Gebet für Sicherheit gesprochen. Das Ave Marie ist ein Gebet der Fürsprache. Fürsprache für eine, wie von Claire vorausgesagt, unausweichlich kommende Katastrophe.

Trotz der vielfachen traumatischen Ereignisse in dieser Folge, fehlte mir auf der emotionalen Ebene etwas, um die Dringlichkeit von Jamies und Claires Bemühungen nachvollziehen zu können. Zwei große Todesfälle, Fehlschlag folgt auf Fehlschlag – ja, es gab eine Menge, was in dieser Folge gezeigt werden musste und irgendwie fehlt die Zeit dafür. Das ist ein direktes Ergebnis der von den Drehbuchautoren getroffenen Entscheidungen, Ereignisse neu zu ordnen und zuviel in den bisherigen Folgen hinzuzufügen. Es gibt nur noch 2 Folgen und jede Menge lose Handlungsstränge. Für mein Empfinden kamen wichtige Punkte in der Folge zu kurz, da man als Zuschauer nicht in der Lage ist, das alles so schnell aufzunehmen und zu verarbeiten. Ich sage nicht, dass die Folge nicht gut gemacht ist, aber im Großen und Ganzen wirkt diese Folge wie ein Durcheinander ohne Ruhepausen, um das Gesehene zu verstehen. Ein wenig mehr Raum und kleine Elemente der Ruhe zwischendrin, hätten der Folge gut getan und dem Zuschauer mehr Raum für Trauer und Schock gegeben. Das sind Gefühle, die der Geschichte an dieser Stelle angemessen sind. Ich fühle mich ein bisschen durch die Geschichte gehetzt. Natürlich war das Wichtigste Jamies Versuch Prinz Charles davon abzuhalten, bei Culloden die Armee zu bewegen.  Aber Charles will ausnahmsweise nicht auf ihn hören und lehnt den Vorschlag zu warten ab. „Ich bin ein Mann, und ein Soldat. Und ich werde mich wie einer gebärden. “

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Jamies zweiter Versuch hat, oberflächlich betrachtet,  eine bessere Chance auf Erfolg. Beruhend auf den Informationen, die Claire von Jonathan Randall erhält, von Dougals Aufklärungstouren und von anderen Berichten, will er angreifen. Die britische Armee ist unvorbereitet und ahnungslos, da der Herzog von Cumberland seinen Geburtstag feiern will. Der Herzog führt die britische Armee in diesem Kampf als Befehlshaber an. Jamie wird aber vom Quartiermeister O’Sullivan sabotiert. Als er darauf besteht, dass anstelle von General Murray und Jamie jeweils einzeln angeführten Kolonnen, Jamie und Murray gemeinsam die Führung der einen und O’Sullivan und der Prinz die der anderen übernehmen sollen, war klar, dass das nicht funktionieren kann. O’Sullivan will seine Minute Ruhm und kümmert sich nicht darum, wie er das hinbekommt. Er wird den Kampf bekommen, wie er es will – aber Ruhm wird nicht Teil der Gleichung sein.

Ein weiterer Punkt ist ein wenig komplizierter. Colum kommt nach Inverness, um seine Nachfolge mit den beiden Menschen zu diskutieren, die es am meisten betrifft – Dougal und Jamie. Die Aufgabenteilung zwischen Dougal und Colum ist eine interessante Entwicklung in den beiden ersten Staffeln. Colum sagt zu Jamie, dass er sein Leben in einem gelähmten Körper und Dougal sein Leben mit einem verkrüppelten Geist gelebt hat. Colum hat keine wirkliche Hoffnung auf eine Versöhnung mit seinem Bruder und wählt Jamie als Vormund für den jungen Hamish. Er glaubt, dass Jamies Ideale in der Zukunft seines Clans  liegen und Dougal nicht in der Lage ist, sich selbst zurückzunehmen, um das Leben seiner Männer zu retten. In diesem Punkt sind sich Dougal und  O’Sullivan katastrophal ähnlich.

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Eine schier unmögliche Aufgabe hat Dougal, nicht Colum – er macht einen letzten Versuch, Colums Meinung zu ändern. Nicht wegen der Clanführung, sondern wegen Dougal selbst. Als jüngerer Bruder wurde er nie der Mann, der er sein wollte. Er war immer in Colums Schatten und musste das tun, wozu Colum nicht in der Lage war. Und er hat Colum nie Dinge vergeben, über die der ältere Bruder keine Kontrolle hatte, genau wie Colum Dougal nicht verzeihen konnte, gesund zu sein. Und jetzt ist es zu spät – Colum entgleitet das Jasminöl, das Claire ihm gegeben hat. Ich werde Colum vermissen.

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Fürsprache benötigen auch Jonathan Randall, sein sterbender Bruder Alexander und die schwangere Mary Hawkins. Dieses mal geht es aber nur sekundär um Mary. Alex ist todkrank und Claire kann ihm nicht helfen, nur seine Leiden und Schmerzen etwas lindern.
Er will sicher sein, dass Mary und ihr gemeinsames Kind versorgt sind und dass sein Kind seinen Namen trägt. Er ist absolut selbstlos und meint, dass sein Bruder etwas für sie tun kann, zu dem Alex nicht in der Lage sein wird. Er vertraut seinem Bruder seine Liebe und sein Kind an.

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Für Claire setzen sich damit alle Puzzleteile zusammen, sie weiß jetzt, warum Frank angeblich von Jonathan Randall abstammt. Leider hat sich Alex in seinem Bruder geirrt. Seine dunkle Seite ist überwältigend. Wie überwältigend, sagt er Claire: „Welche Art von Gott schafft eine Welt, in der Monster gedeihen, und Schönheit und Reinheit mit Armut und Tod belohnt werden?“

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Murtaghs Erklärung, dass er selbst Mary heiraten will ist sehr niedlich. Offensichtlich hat seine kleine Liebschaft mit Suzette ihn seine familiären Gefühle entdecken lassen. Natürlich wäre es für Mary besser, mit Murtagh verheiratet zu sein, aber Claire hat Recht. Für wie lange wäre sie verheiratet? Um dann als mittellose Witwe mit einem Kind dazustehen? Nach einem Krieg in einem verwüsteten Schottland?

3-3
Der höchste emotionale Punkt dieser Folge ist auch derjenige, an dem Ron Moore am weitesten von der eigentlichen Geschichte abweicht. Und ich finde diese Szene widerlich. Es war wohl eine improvisierte Entscheidung der Schauspieler, dass Black Jack, unfähig seine Gefühle zu unterdrücken, seinen toten Bruder wieder und wieder heftig schlägt. Sein geliebter Bruder, der einzige Mensch, der in ihm etwas Gutes sah, auch wenn es offensichtlich eine Ausgeburt von Alex Phantasie ist. Dies zum stärksten emotionalen Punkt in einer hochdramatischen Folge zu machen, zeigt, dass andere Dinge im Herzen von Ron Moores Geschichte wichtiger sind, als Jamie und Claire. Ich hätte das nicht zugelassen.

Wir wissen bereits, dass Jamie und Claire durch die Katastrophe bei Culloden getrennt werden. In meinen Augen sollte der dramatische Höhepunkt dieser Folge nicht eine kleine Handlung einer Randperson der Geschichte sein. Nicht mal Colums Tod, ein Charakter, den viele von sehr interessant finden, ist nicht also so wichtig behandelt worden. Er wird in der Folge danach nicht mal mehr erwähnt… ja, wir sind traurig über Alex Tod. Aber von Claire wissen wir, dass  Black Jack den nächsten Tag nicht überleben wird. Wir müssen uns um Mary also keine allzu großen Sorgen machen. Für mich hätten Jamie und Claire diese Position haben sollen. Vom Staffelfinale erwarte ich, dass wir eine Menge Jamie und Claire zu sehen bekommen, zumindest hoffe ich das aufrichtig. Die kurzen gemeinsamen Szenen, ein schneller Kuss auf die Stirn hier, ein kurzes Wort da, das ist nicht genug – ich will sehen, warum die Trennung für sie so erschütternd sein wird. Warum diese Serie und ihre Liebe bisher 8 Bücher überdauert hat und es hunderttausende von Fans weltweit gibt. Wir sind nicht hier für Black Jack und wir sind nicht hier für Frank. Aber anscheinend sind Jamie und Claire auch nicht für uns da. Ich hoffe auf die letzte Folge dieser Staffel.

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Ein Gedanke zu “Review Staffel 2 Folge 12 – The hail mary

  1. Diese Szene mit ‚Johnny‘ Randall fand ich auch sehr schlimm, sie hat mich schockiert. Aber ich kann irgendwie nachvollziehen, was sie aussagen soll. Ein Ausblick auf das, was noch vor allen liegt, das nicht ‚alles gut‘ wird, dass sich ein Monster (oder der drohende Schatten der Schlacht von Culloden) nicht plötzlich in Wohlgefallen auflöst. Vielleicht auch. dass der reine Zuschauer (nicht der Leser, der es schon weiß) aufatmet und denkt ‚Gott sei Danke stammt Frank nicht wirklich von diesem Scheusal ab‘. Das sind meine Versuche, diese Szene zu erklären.
    Ähnlisch schlimm oder noch schlimmer finde ich die Szene, in der Jamie mit seiner kleinen Truppe im Wald auf den Prinzen und O’Sullivan wartet. Wie die kleine, letzte Hoffnung, die Schlacht doch noch zu verhindern, dass alles irgenwie noch gut wird, abrupt erstirbt. Es gibt keinen Ausweg mehr, die Schlacht wird unausweichlich stattfinden. Die ganze Folge war sehr deprimierend, ich finde man hat gespürt, wie Jamie und Claire einfach nur noch versucht haben, zu funktionieren, trotz ihres Wissens. Man hat richtig gemerkt, wie etwas in Jamie gestorben ist, als der Prinz seinen Vorschlag, auf das französische Gold zu warten, abgelehnt hat. Dann gab es nur noch das Fünkchen Hoffnung des Überfalls der Geburtstagsfeier… Und die wurde dann endgültig zerschlagen. Ich war jedenfalls nach der Folge unglaublich aufgewühlt 😦

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