Review Folge 16 To ransom a man´s soul / Erlösung #Outlander

11312891_1051283814886206_8116240973143709470_o

Da ist es, das Ende der ersten Staffel. Was für ein Ritt – oder auch Fahrt, mit dem Auto, dem Zug, der Kutsche, zu Pferd und durch die Steine. Diese Reise war sowohl wundervoll, wie auch dramatisch. Vor allem die letzten beiden Folgen dieser ersten Staffel sind emotional sehr intensiv.

Für die Schauspieler müssen die Dreharbeiten für die beiden letzen Folgen noch um ein vielfaches schwieriger gewesen sein, als es sowieso schon ist. Ich empfinde eine tiefe Ehrfurcht vor ihrer Kunst, uns diese unglaubliche Tiefe an Emotionen zu zeigen. Die Leser hatten vor den Szenen, die schon in den Büchern sehr plastisch beschrieben sind, einen Heidenrespekt. Und diese Fülle an Emotionen kommt wirklich eins zu eins am Bildschirm und somit am Zuschauer an und reißt ihn mit – Wut, Trauer, Lust, Schmerz und vor allem die Liebe, in all ihren positiven und negativen Ausrichtungen. Caitriona, Sam und Tobias sind einfach unglaublich – unglaublich gut.

192

 

Fangen wir mit dem Guten an:

Jamies Rettung durch die durchgehenden Rinder ist von Beginn an wirklich gut dargestellt. Nichts ist übertrieben, sondern genau auf das Richtige reduziert worden. Kurz blitzt die Trauer auf Murtaghs Gesicht auf, als er den blutigen Körper von Jamie sieht, aber wirklich nur für einen kleinen Augenblick, sofort geht es wieder um das Wesentliche; Jamie dort heraus zu bekommen, und das so schnell wie möglich. Es gibt keine überflüssigen Dialoge, sondern nur kurze Szenen, die auf die Eile hindeuten. Wie zum Beispiel als Angus kurz mit seinem Dolch spielt, um seine Ungeduld zu überspielen oder Claire, die auf der Straße steht und auf ihren Mann wartet. Selbst der Funken schwarzen Humors, der durchkommt, als Rupert fragt, ob er den Wagen bewegen soll oder jemand lieber noch eine Tasse Tee möchte. Alles passt absolut perfekt und überträgt genau die Stimmung, die ich an dieser Stelle erwartet habe. Es ist der perfekte Übergang vom Schatten ins Licht.

172

Ich bin froh, dass die Vergewaltigung nicht grafischer dargestellt wurde. Mit Ausnahme einer Szene, haben wir die Geschichte einer Bessenheit gesehen, die hier ihren Gipfel erreicht hat. Das Spiel von Tobias Menzies ist zurückhaltend, aber zutiefst verdorben. Jamies Reaktion, ihm ins Gesicht zu spucken, ist das letzte Aufbäumen vor der Kapitulation. Die Leistungen von Tobias und Sam sind erschreckend schön.

Auch die Szene in der Abtei, in der Murtagh und Jamie sich auf gälisch unterhalten, ist toll. Obwohl wir nichts verstehen, kommen die tiefen Emotionen ungefiltert rüber. Braucht man wirklich eine Übersetzung bei diesem Gespräch? Ich denke nicht.

72

Und Claire? Caitriona zeigt in dieser Folge endlich einen Teil der Emotionen, die ich bisher vermisst habe. Sie wächst ihn ihre Rolle hinein. Claire kämpft darum, Jamie ins Leben zurückzuholen. Murtagh sagt, dass das nur geht, wenn ihm jemand in die Dunkelheit folgt. Und das tut sie. Was uns zu folgendem führt.

Das Schlechte.

Kurz bevor diese Folge ausgestrahlt wurde, hat Diana Gabaldon in einem Beitrag darum gebeten, das Buch zur Seite zu legen und ihre Gedanken zur Serie mitgeteilt. Die TV-Serie ist eine Adaption. Das ist richtig, trotzdem fehlen mir in der Serie viele Dinge, die ich für sehr wichtig halte. Und ich meine jetzt nicht die Szene in der heißen Quelle unter der Abtei. Die hätte ich natürlich auch gern gesehen, war aber technisch leider nicht umzusetzen.

Was mir viel mehr gefehlt hat,  ist Claires Humor und ihr unglaublich starker Wille. In den ersten Folge erscheint Claire wie ein Backfisch, der emotional noch nicht stabil ist. Das ist nicht „meine“ Claire. Und Jamie? Jamie ist mir in vielen Szenen zu „bubihaft“. Das liegt nicht an den Schauspielern. Cait und Sam können nur das spielen, was ihnen das Drehbuch und ihr Können vorgibt. Und hier hakt es für mich. Die Szene, in der Claire vor den Steinen sitzt und mit sich hadert, ob sie zu Frank zurückkehrt oder bei Jamie bleibt, ist leider nicht halb so aussagekräftig, wie sie hätte sein müssen. Und auch Jamies Reaktion, als sie in der Hütte auftaucht, kommt viel zu kurz. Die Beziehung der beiden zueinander ist für meine Begriffe nicht so dargestellt, wie sie hätte sein müssen. Aber vor allem Claire, die für mich immer die wichtigste Figur in den Büchern war, kommt in der TV-Serie nicht annähernd an das starke Rollenbild heran, wie es eigentlich sein müsste. Claires Rolle ist viel zu angepasst. Wie gesagt, Cait trägt daran nur einen Teil der Schuld. Das erste Mal, wo annähernd Claire so wie in den Büchern rüberkommt, ist die Szene, in der sie in der Abtei um Jamies Leben kämpft. Da war sie endlich, meine moderne Löwin, die sich für andere völlig aufgibt.

61

Aber leider wieder nur annähernd. Ja, ich weiß, ich soll das Buch weglegen. Aber glaubt ehrlich irgendjemand, dass eine Seele, die so zerstört wurde, nur durch Lavendelduft und ein Gespräch geheilt werden kann? Auch hier fehlt die Intensität der Bücher.

Mein zweites Problem ist, dass Randall im Buch tatsächlich etwas anderes mit Jamie gemacht hat. Er sagt: „Kann sie dir das geben, was ich dir gebe?“ , und Jamie ist an diesem Punkt so verwundbar, dass er Claire nicht mehr von Randall unterscheiden kann. Randall will ihm zeigen, dass seine Liebe der von Claire überlegen ist. Er würde nicht wollen, dass Jamie sich unter falschen Voraussetzungen ergibt. Dieses egozentrische Verhalten Randalls kommt nicht rüber. Und deshalb wiederum ist die Rettung von Jamies Seele durch Claire zu oberflächlich dargestellt.

121

Tja, und dann kommt, was in der heißen Quelle hätte enden können. Auf dem Deck des Schiffs teilt Claire ihrem Mann mit, dass sie schwanger ist. Irgendwie war ich da total überrumpelt. Es kam mir so vor, als ob das irgendwie noch überstürzt mit reingenommen wurde. Und Claire? Statt liebevoll, aufgeregt und stolz, sehen wir eine unsichere Frau. Und Jamie? Statt eines völlig vom Glück überwältigten jungen Mannes, sehen wir einen unsicheren , ängstlichen Jamie, der zögerlich antwortet. Wo ist der Zusammenhalt und ,durch die Rettung noch tiefere, Verbundenheit der beiden? Sie blicken zusammen in eine gemeinsame Zukunft, aber wie?

11221737_10152862200998045_5772592254603873962_o

11088671_10152862201123045_6515457355338213085_o

Und zum Schluß noch was Ungewöhnliches.

Okay, Ron. Musste das sein? Ein bisschen Humor zum Ende hin ist ja in Ordnung. Aber naja. Angus? Wirklich? 😉

01_review_00000

 

Alles in allem eine Folge, aus der hätten zwei werden sollen. Ein bisschen mehr Zeit hätte der Geschichte wirklich gut getan.

Mein persönliches Fazit zur ersten Staffel: Ich bin Ron D. Moore zutiefst dankbar für die, in großen Teilen, wirklich umsichtige Adaption meines Lieblingsbuches.

Wir lesen den nächsten Review dann vermutlich nächstes Jahr in Paris. :_)

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s